Dass Künstliche Intelligenz ein Problem mit rassistischer Diskriminierung hat, ist bekannt. Vor diesem Hintergrund ist es gelinde gesagt ungünstig, wenn ganze Gruppen von schwarzen Forscher*innen nicht an der weltgrößten Konferenz für Künstliche Intelligenz teilnehmen konnten, wie das vergangene Woche in Montreal passiert ist. Rund 100 Teilnehmende der jährlichen Konferenz NeurIPS konnten nicht nach Kanada einreisen, weil ihnen die Visa versagt oder zu spät ausgestellt wurden, berichtet WIRED:
KI-Forscher*innen sagen, das Visa-Problem untergrabe ihre Bemühung, das Feld inklusiver zu machen und damit die Wahrscheinlichkeit zu senken, dass Technologien Menschen diskriminieren oder benachteiligen, die nicht weiß oder westlich sind. Eine Reihe von Leuten, die ihre Arbeit bei „Black in AI“ hätten präsentieren sollen, einem Workshop am Freitag, konnten nicht nach Kanada reisen. Viele kamen aus afrikanischen Ländern.
“Wir bemühen uns KI zu demokratisieren, so dass sie für alle Menschen funktioniert, nicht nur für einige“, sagt Rediet Abebe, Doktorandin an der Cornell University und eine der Organisatorinnen der Veranstaltung. „Für viele Menschen war es sehr schwer, sich für kanadische Visa zu bewerben. Das ist eine Sorge nicht nur in Bezug auf dieses Jahr, sondern weil NeurIPS in den kommenden zwei Jahren in Vancouver stattfinden wird.“
Software zur Gesichtserkennung, die nur für nicht-weiße Gesichter funktioniert. Vorhersagende Polizeiarbeit, die ihre Beamt*innen vor allem in nicht-weiße Nachbarschaften lenkt. Suchmaschinen, die auf die Anfrage nach schwarzen Frauen Pornoseiten vorschlagen. Jedes Mal, wenn offenkundig wird, dass und wie Algorithmen Menschen rassistisch diskriminieren, ertönt er wieder, der Ruf: Das Feld müsse diverser werden. Ohne die Erfahrungen, Fragestellungen und Ideen von schwarzen Menschen, Frauen und anderen unterrepräsentierten Gruppen würde sich das Problem der Voreingenommenheit schließlich nie lösen lassen.
Die Veranstalter*innen scheinen sich der Probleme mittlerweile bewusst zu sein. Die Konferenz mit dem vollen Namen Neural Information Processing Systems war nach 30 Jahren gerade erst von NIPS zu NeurIPS umgetauft worden, nachdem sich Teilnehmerinnen über die sexistische Konnotation des Akronyms beschwert hatten und eine Petition starteten. „Nips“ ist ein Slang-Ausdruck für Brustwarzen – ungünstig vor dem Hintergrund, dass Frauen in der Branche ohnehin in der Unterzahl sind und Sexismus auch jenseits des Namens ein Problem auf der Konferenz war.
Auch das Visa-Problem ist nicht neu. Ein junger Forscher an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne mit marokkanischem Pass twitterte, die Aussicht auf Schwierigkeiten habe ihn von vornherein davon abgehalten, an der Konferenz teilzunehmen.
Ein anderes Flaggschiff der Forschungsgemeinschaft, die International Conference on Learning Representations (ICLR), hat aus den Erfahrungen der Vergangenheit Konsequenzen gezogen: Die Konferenz findet im Jahr 2020 in Addis Abeba in Äthiopien statt. Der kanadische Forscher Yoshua Bengio, der als „Vater“ des Deep Learning, einer Unterkategorie von Künstlicher Intelligenz, gilt, sagte dazu im Gespräch mit dem MIT Technology Review, es sei schlicht unfair, Teile der Forschungsgemeinschaft auszuschließen und so sei deren Teilnahme am ehesten zu gewährleisten.
